Wer sie sind und was sie denken
Drei Kandidaten für den Ausserrhoder und zwei
für den Innerrhoder Nationalratssitz
Als erste Übersicht haben wir den fünf
Kandidatinnen und Kandidaten für einen Nationalratssitz acht
gleichlautende Fragen gestellt. Gelegenheit, den Bewerbern näher auf den
Zahn zu fühlen, bietet sich in Ausserrhoden auch an den Podiumsgesprächen
der Appenzeller Zeitung am 1. (Heiden), 9. (Teufen) und 16. September
(Herisau). (hps)
Person
Jakob Freund
Der 57-jährige SVP-Politiker vertritt
Ausserrhoden seit 1995 im Nationalrat. Freund ist Landwirt und wohnt in
Bühler.
- Diskussionen im Kreise der Familie; - Wahl
in die Kommission zur Überarbeitung des Zonenplanes der Gemeinde Bühler
1973; - Wahl in den Gemeinderat 1978.
- Weitere Verbesserungen für die innere und
äussere Sicherheit (als Mitglied der Sicherheitspolitischen Kommission). -
Verminderung der Leerläufe und Verbesserung der Effizienz in der
Bundesverwaltung, (als Mitglied der Geschäftsprüfungskommission). -
Verbesserung der steuerlichen Situation für die traditionelle Familie (im
Parlament). Die Interessen des Mittelstandes, insbesondere von Gewerbe und
Bauern, mit einer konsequent bürgerlichen und berechenbaren Politik, für
weniger Steuern, Abgaben und Gebühren und für mehr Handlungsfreiraum für
Unternehmer und Bauern. (Siehe meine Vorstösse seit 1995 und das
Abstimmungsverhalten im Parlament) Erwartungen habe ich keine, aber eine
Haltung: Hart in der Sache, anständig im Ton. Persönlich: Kann nicht Nein
sagen. Politisch: manchmal etwas zu höflich/vorsichtig. - Wird vor allem
produziert von Parteien, die mit Filz und Skandalen von sich reden machen,
anstatt sich für ein Programm einzusetzen. - Ist nicht so stark
verbreitet, wie von Medien und Forschungsinstituten glaubhaft gemacht wird
Ist ein Produkt der Wohlstandsgesellschaft
und wird genauso vergehen wie andere Modeströmungen in der Gesellschaft
Der kleine Bruder von Ausserrhoden, der vieles sehr gut macht, zum
Beispiel im Tourismus.
Person
Marianne Kleiner
Die 56-jährige FDP-Politikerin gehörte bis
Mitte Jahr der Kantonsregierung an und war drei Jahre Landammann.
Mein Einstieg in die Politik war vor neun
Jahren, wo ich als Quereinsteigerin an der Landsgemeinde in Trogen in den
Regierungsrat gewählt wurde und am Tag danach die Finanzdirektion
zugewiesen bekam. In den vergangenen neun Jahren habe ich erlebt, dass ich
in schweizerischen Gremien wie zum Beispiel dem Vorstand der
Finanzdirektorenkonferenz, als Vizepräsidentin der FDP Schweiz und als
Mitglied im Bankrat der Schweizerischen Nationalbank gehört wurde und für
den Kanton einiges erreichen konnte, wie das zum Beispiel beim Neuen
Finanzausgleich zwischen Bund und Kantonen der Fall war. Ich werde mich
einsetzen, dass ich auch in einem Gremium von 200 Mitgliedern Gehör finden
werde. Die Interessen der liberalen, zukunftsgerichteten,
modern-bürgerlichen Appenzellerinnen und Appenzeller. Da ich mich nur auf
das Nationalratsmandat konzentrieren werde, kann ich mich breit
engagieren. Schwerpunktmässig werde ich mich für eine umsetzbare,
lösungsorientierte Gesellschafts- und Sozialpolitik sowie für eine gesunde
Wirtschafts-und Finanzpolitik einsetzen. Ich hoffe, dass die
Stimmbürgerinnen und Stimmbürger die Begegnungsmöglichkeiten nutzen und
dann auch zur Urne gehen werden. Ich erwarte auch, dass der Wahlkampf
sachlich und fair verlaufen wird, und freue mich auf Auseinandersetzungen.
Befürchtungen habe ich keine. Mein ganzes Leben lang wehre ich mich gegen
meine Ungeduld, notabene mit immer besserem Erfolg! Als Finanzdirektorin
habe ich neun Jahre gegen mein Harmoniebedürfnis gekämpft. Ich staune
immer wieder, wie engagiert sich Leute einsetzen, wenn es um wichtige
Dinge geht; das ist sehr erfreulich! Momentan gibt es in der Schweiz
einige politische Probleme, die nicht einfach und subito gelöst werden
können. Dabei habe ich Verständnis, wenn als Reaktion auf übertriebene,
nicht einlösbare Versprechen gewisser Politiker auch Politikverdrossenheit
spürbar wird. Auch ich habe es gerne lustig! Wenn aber alles auf Spass
ausgerichtet ist, kommt die Leistung zu kurz. Nur immer Spass haben,
befriedigt auf Dauer die wenigsten. Mit Innerrhoden verbindet uns eine
schöne Nachbarschaft. Dass man sich unter Freunden auch gern neckt, wissen
wir Appenzellerinnen und Appenzeller.
Person
Ivo Müller
Der 54-jährige Kantonsschullehrer und
SP-Politiker aus Speicher gehört seit 1999 dem Kantonsrat an.
Mit 14 Jahren, als ich an der «Flade»
(Katholische Sekundarschule in St. Gallen) die liberalen FDP-Ideen
(meines Vaters) gegen die katholisch-konservativen Lehrermeinungen
vertrat. Brücken zwischen den Landesteilen schlagen; Appenzell
Ausserrhoden als offenen und gesprächsbereiten Kanton vorstellen; das
Gespräch zwischen den Parteien neu lancieren; den Sinn für Solidarität
wieder aufleben lassen. Ich vertrete keine Interessen, ich vertrete
Menschen:
Ich möchte die AHV sichern; eine
Wirtschaftspolitik betreiben, die sowohl den Unternehmen als auch den
Arbeitnehmer/-innen zugute kommt; schliesslich dem Gedanken zum Durchbruch
verhelfen, dass Ökonomie und Ökologie nicht so weit voneinander entfernt
sind, wie viele Leute meinen.
Spannende Diskussionen, einen fairen
Wettbewerb um die beste Kandidatur Darüber schweigt des Sängers
Höflichkeit. Dagegen hoffe ich mit einem lustvollen Wahlkampf anzukämpfen.
Politik muss auch Freude machen und der Lebensfreude dienen. Auch wenn die
Politik lustvoll sein soll, muss sie doch ernsthaft bleiben: eine
spannende, ja leidenschaftliche Auseinandersetzung um Wahrheit und
Gerechtigkeit. Wir aus Ausserrhoden schauen manchmal wie gebannt auf
Innerrhoden. Meine Erklärung für die z.T. phänomenalen Erfolge der
Nachbarn: Sie sind weniger neoliberal, sondern sachlich, tüchtig und
miteinander solidarisch.
Person
Arthur Loepfe
Der 61-jährige CVP-Politiker vertritt
Innerrhoden seit vier Jahren im Nationalrat. Zuvor war er auch
Landammann.
Eintritt in die CVP des Kantons Appenzell
Innerrhoden und in deren Arbeitsgruppe «Wirtschaftspolitik AI» in den
80er-Jahren. Ich kämpfe für wirtschafts-, finanz- und sozialpolitisch
optimale Voraussetzungen für ein Wirtschaftswachstum. Günstige
Rahmenbedingungen und Standortvorteile sind entscheidend für die Schaffung
von Arbeitsplätzen und Lehrstellen und für die allgemeine Wohlfahrt in
unserem Land. Dazu braucht es möglichst viele Gleichgesinnte in allen
Parteien. Ich setze mich ein für Appenzell Innerrhoden und seine
Bevölkerung, für die Ostschweiz und für die Schweiz als unser
übergeordnetes Gemein- und Staatswesen. Im wirtschaftlichen Bereich geht
es mir vor allem um die Förderung der KMU und der landwirtschaftlichen
Familienbetriebe. Fairness. Man spielt nicht auf die Person. Gestritten
wird um politische Ansichten. Diese herauszufinden überlasse ich anderen -
soweit sie nicht schon bekannt sind. Übertriebene Parteipolitik und auf
die eigene Wiederwahl ausgerichtete Aktivitäten mancher Politiker ohne
Rücksicht auf das Gesamtwohl unseres Landes enttäuschen viele Bürgerinnen
und Bürger. Die Gefahr ist gross, dass sich Politikverdrossene extremen
politischen Positionen - links oder rechts - anschliessen. Die
oberflächliche, leichtsinnige und egoistische Lebens- und Verhaltensweise
vieler hat zu grossen materiellen Verlusten und zu einer Vertrauenskrise
in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik geführt. Aber auch ein
verantwortungsbewusstes Handeln kann Spass machen und dies erst noch
nachhaltig. Nachbarn und Freunde mit der gleichen Kultur. Mitstreiter für
die Interessen der kleinen Kantone und der Ostschweiz.
Person
Kuno Rudolf-von-Rohr
Das 39-jährige SVP-Mitglied aus Gonten ist
Sicherheitsexperte und war vier Jahre Kantonalpräsident seiner Partei.
Ich stamme aus einem politisch engagieren
Elternhaus, weshalb mich Politik immer interessiert hat. Der Einstieg in
die aktive Politik erfolgte mit meiner Wahl zum Parteisekretär der SVP
Appenzell Innerrhoden vor acht Jahren. Ich würde mich der SVP-Fraktion
anschliessen. Mit dieser starken Fraktion im Rücken denke ich, lässt sich
einiges bewegen für die Schweiz und ihre Bürgerinnen und Bürger, aber auch
für Innerrhoden. Schwergewichtig würde ich mich für die Berg- und
Randregionen, für die Neutralität, für weniger Schuldenwirtschaft und für
mehr Menschlichkeit der Behörden gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern
einsetzen. Als Sicherheitsexperte liegt mir die Sicherheit der Bevölkerung
nahe, was heisst: Die Polizei muss gestärkt und darf nicht geschwächt
werden. Als SVP-Kandidat, der in einer CVP-Hochburg antritt, wird der
Wahlkampf nicht leicht. Ich glaube aber, die Bevölkerung wird es
honorieren, dass sie mit meiner Kandidatur eine Auswahl hat und nicht dazu
degradiert wird, nur einen einzigen Kandidaten bestätigen zu dürfen. Ich
bin manchmal etwas ungeduldig, wenn etwas, das mir wichtig scheint, von
aussen verzögert wird. Worte können mich verletzen, wenn sie nicht der
Wahrheit entsprechen. Das abnehmende Interesse der Bevölkerung an der
Politik kann nur bekämpfen, wer ehrlich und verständlich politisiert und
wer die Bürgerinnen und Bürger und ihre Anliegen ernst nimmt; also
beispielsweise bei Wahlen eine Auswahl ermöglicht.
Humor schadet in der Politik nie - im
Gegenteil. Aber alles und jedes lächerlich zu machen, nur um der
Aufmerksamkeit oder des Spektakels willen, entspricht weder meinem
Politikverständnis noch meinem Charakter. Ich würde es begrüssen, wenn der
Ausserrhoder SVP-Kandidat die Wiederwahl in den Nationalrat schaffte. Denn
wir könnten sicherlich in vielen Bereichen gut zusammenarbeiten im
Interesse beider Halbkantone.
Welches war Ihr Einstieg in die Politik?
Was glauben Sie im Nationalrat bewegen zu
können?
Welche Interessen wollen Sie vertreten?
Ihre Erwartungen (Befürchtungen) an den
Wahlkampf?
Welches sind Ihre Schwächen?
Stichwort Politikverdrossenheit
Stichwort Spassgesellschaft
Stichwort Appenzell Innerrhoden bzw.
Ausserrhoden