Appenzeller Zeitung
Regionen | Samstag, 30. August 2003

Wer sie sind und was sie denken

Drei Kandidaten für den Ausserrhoder und zwei für den Innerrhoder Nationalratssitz

Als erste Übersicht haben wir den fünf Kandidatinnen und Kandidaten für einen Nationalratssitz acht gleichlautende Fragen gestellt. Gelegenheit, den Bewerbern näher auf den Zahn zu fühlen, bietet sich in Ausserrhoden auch an den Podiumsgesprächen der Appenzeller Zeitung am 1. (Heiden), 9. (Teufen) und 16. September (Herisau). (hps)

Person

Jakob Freund

Der 57-jährige SVP-Politiker vertritt Ausserrhoden seit 1995 im Nationalrat. Freund ist Landwirt und wohnt in Bühler.

- Diskussionen im Kreise der Familie; - Wahl in die Kommission zur Überarbeitung des Zonenplanes der Gemeinde Bühler 1973; - Wahl in den Gemeinderat 1978.

- Weitere Verbesserungen für die innere und äussere Sicherheit (als Mitglied der Sicherheitspolitischen Kommission). - Verminderung der Leerläufe und Verbesserung der Effizienz in der Bundesverwaltung, (als Mitglied der Geschäftsprüfungskommission). - Verbesserung der steuerlichen Situation für die traditionelle Familie (im Parlament). Die Interessen des Mittelstandes, insbesondere von Gewerbe und Bauern, mit einer konsequent bürgerlichen und berechenbaren Politik, für weniger Steuern, Abgaben und Gebühren und für mehr Handlungsfreiraum für Unternehmer und Bauern. (Siehe meine Vorstösse seit 1995 und das Abstimmungsverhalten im Parlament) Erwartungen habe ich keine, aber eine Haltung: Hart in der Sache, anständig im Ton. Persönlich: Kann nicht Nein sagen. Politisch: manchmal etwas zu höflich/vorsichtig. - Wird vor allem produziert von Parteien, die mit Filz und Skandalen von sich reden machen, anstatt sich für ein Programm einzusetzen. - Ist nicht so stark verbreitet, wie von Medien und Forschungsinstituten glaubhaft gemacht wird

Ist ein Produkt der Wohlstandsgesellschaft und wird genauso vergehen wie andere Modeströmungen in der Gesellschaft Der kleine Bruder von Ausserrhoden, der vieles sehr gut macht, zum Beispiel im Tourismus.

Person

Marianne Kleiner

Die 56-jährige FDP-Politikerin gehörte bis Mitte Jahr der Kantonsregierung an und war drei Jahre Landammann.

Mein Einstieg in die Politik war vor neun Jahren, wo ich als Quereinsteigerin an der Landsgemeinde in Trogen in den Regierungsrat gewählt wurde und am Tag danach die Finanzdirektion zugewiesen bekam. In den vergangenen neun Jahren habe ich erlebt, dass ich in schweizerischen Gremien wie zum Beispiel dem Vorstand der Finanzdirektorenkonferenz, als Vizepräsidentin der FDP Schweiz und als Mitglied im Bankrat der Schweizerischen Nationalbank gehört wurde und für den Kanton einiges erreichen konnte, wie das zum Beispiel beim Neuen Finanzausgleich zwischen Bund und Kantonen der Fall war. Ich werde mich einsetzen, dass ich auch in einem Gremium von 200 Mitgliedern Gehör finden werde. Die Interessen der liberalen, zukunftsgerichteten, modern-bürgerlichen Appenzellerinnen und Appenzeller. Da ich mich nur auf das Nationalratsmandat konzentrieren werde, kann ich mich breit engagieren. Schwerpunktmässig werde ich mich für eine umsetzbare, lösungsorientierte Gesellschafts- und Sozialpolitik sowie für eine gesunde Wirtschafts-und Finanzpolitik einsetzen. Ich hoffe, dass die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger die Begegnungsmöglichkeiten nutzen und dann auch zur Urne gehen werden. Ich erwarte auch, dass der Wahlkampf sachlich und fair verlaufen wird, und freue mich auf Auseinandersetzungen. Befürchtungen habe ich keine. Mein ganzes Leben lang wehre ich mich gegen meine Ungeduld, notabene mit immer besserem Erfolg! Als Finanzdirektorin habe ich neun Jahre gegen mein Harmoniebedürfnis gekämpft. Ich staune immer wieder, wie engagiert sich Leute einsetzen, wenn es um wichtige Dinge geht; das ist sehr erfreulich! Momentan gibt es in der Schweiz einige politische Probleme, die nicht einfach und subito gelöst werden können. Dabei habe ich Verständnis, wenn als Reaktion auf übertriebene, nicht einlösbare Versprechen gewisser Politiker auch Politikverdrossenheit spürbar wird. Auch ich habe es gerne lustig! Wenn aber alles auf Spass ausgerichtet ist, kommt die Leistung zu kurz. Nur immer Spass haben, befriedigt auf Dauer die wenigsten. Mit Innerrhoden verbindet uns eine schöne Nachbarschaft. Dass man sich unter Freunden auch gern neckt, wissen wir Appenzellerinnen und Appenzeller.

Person

Ivo Müller

Der 54-jährige Kantonsschullehrer und SP-Politiker aus Speicher gehört seit 1999 dem Kantonsrat an.

Mit 14 Jahren, als ich an der «Flade» (Katholische Sekundarschule in St. Gallen) die liberalen FDP-Ideen (meines Vaters) gegen die katholisch-konservativen Lehrermeinungen vertrat. Brücken zwischen den Landesteilen schlagen; Appenzell Ausserrhoden als offenen und gesprächsbereiten Kanton vorstellen; das Gespräch zwischen den Parteien neu lancieren; den Sinn für Solidarität wieder aufleben lassen. Ich vertrete keine Interessen, ich vertrete Menschen:

Ich möchte die AHV sichern; eine Wirtschaftspolitik betreiben, die sowohl den Unternehmen als auch den Arbeitnehmer/-innen zugute kommt; schliesslich dem Gedanken zum Durchbruch verhelfen, dass Ökonomie und Ökologie nicht so weit voneinander entfernt sind, wie viele Leute meinen.

Spannende Diskussionen, einen fairen Wettbewerb um die beste Kandidatur Darüber schweigt des Sängers Höflichkeit. Dagegen hoffe ich mit einem lustvollen Wahlkampf anzukämpfen. Politik muss auch Freude machen und der Lebensfreude dienen. Auch wenn die Politik lustvoll sein soll, muss sie doch ernsthaft bleiben: eine spannende, ja leidenschaftliche Auseinandersetzung um Wahrheit und Gerechtigkeit. Wir aus Ausserrhoden schauen manchmal wie gebannt auf Innerrhoden. Meine Erklärung für die z.T. phänomenalen Erfolge der Nachbarn: Sie sind weniger neoliberal, sondern sachlich, tüchtig und miteinander solidarisch.

Person

Arthur Loepfe

Der 61-jährige CVP-Politiker vertritt Innerrhoden seit vier Jahren im Nationalrat. Zuvor war er auch Landammann.

Eintritt in die CVP des Kantons Appenzell Innerrhoden und in deren Arbeitsgruppe «Wirtschaftspolitik AI» in den 80er-Jahren. Ich kämpfe für wirtschafts-, finanz- und sozialpolitisch optimale Voraussetzungen für ein Wirtschaftswachstum. Günstige Rahmenbedingungen und Standortvorteile sind entscheidend für die Schaffung von Arbeitsplätzen und Lehrstellen und für die allgemeine Wohlfahrt in unserem Land. Dazu braucht es möglichst viele Gleichgesinnte in allen Parteien. Ich setze mich ein für Appenzell Innerrhoden und seine Bevölkerung, für die Ostschweiz und für die Schweiz als unser übergeordnetes Gemein- und Staatswesen. Im wirtschaftlichen Bereich geht es mir vor allem um die Förderung der KMU und der landwirtschaftlichen Familienbetriebe. Fairness. Man spielt nicht auf die Person. Gestritten wird um politische Ansichten. Diese herauszufinden überlasse ich anderen - soweit sie nicht schon bekannt sind. Übertriebene Parteipolitik und auf die eigene Wiederwahl ausgerichtete Aktivitäten mancher Politiker ohne Rücksicht auf das Gesamtwohl unseres Landes enttäuschen viele Bürgerinnen und Bürger. Die Gefahr ist gross, dass sich Politikverdrossene extremen politischen Positionen - links oder rechts - anschliessen. Die oberflächliche, leichtsinnige und egoistische Lebens- und Verhaltensweise vieler hat zu grossen materiellen Verlusten und zu einer Vertrauenskrise in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik geführt. Aber auch ein verantwortungsbewusstes Handeln kann Spass machen und dies erst noch nachhaltig. Nachbarn und Freunde mit der gleichen Kultur. Mitstreiter für die Interessen der kleinen Kantone und der Ostschweiz.

Person

Kuno Rudolf-von-Rohr

Das 39-jährige SVP-Mitglied aus Gonten ist Sicherheitsexperte und war vier Jahre Kantonalpräsident seiner Partei.

Ich stamme aus einem politisch engagieren Elternhaus, weshalb mich Politik immer interessiert hat. Der Einstieg in die aktive Politik erfolgte mit meiner Wahl zum Parteisekretär der SVP Appenzell Innerrhoden vor acht Jahren. Ich würde mich der SVP-Fraktion anschliessen. Mit dieser starken Fraktion im Rücken denke ich, lässt sich einiges bewegen für die Schweiz und ihre Bürgerinnen und Bürger, aber auch für Innerrhoden. Schwergewichtig würde ich mich für die Berg- und Randregionen, für die Neutralität, für weniger Schuldenwirtschaft und für mehr Menschlichkeit der Behörden gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern einsetzen. Als Sicherheitsexperte liegt mir die Sicherheit der Bevölkerung nahe, was heisst: Die Polizei muss gestärkt und darf nicht geschwächt werden. Als SVP-Kandidat, der in einer CVP-Hochburg antritt, wird der Wahlkampf nicht leicht. Ich glaube aber, die Bevölkerung wird es honorieren, dass sie mit meiner Kandidatur eine Auswahl hat und nicht dazu degradiert wird, nur einen einzigen Kandidaten bestätigen zu dürfen. Ich bin manchmal etwas ungeduldig, wenn etwas, das mir wichtig scheint, von aussen verzögert wird. Worte können mich verletzen, wenn sie nicht der Wahrheit entsprechen. Das abnehmende Interesse der Bevölkerung an der Politik kann nur bekämpfen, wer ehrlich und verständlich politisiert und wer die Bürgerinnen und Bürger und ihre Anliegen ernst nimmt; also beispielsweise bei Wahlen eine Auswahl ermöglicht.

Humor schadet in der Politik nie - im Gegenteil. Aber alles und jedes lächerlich zu machen, nur um der Aufmerksamkeit oder des Spektakels willen, entspricht weder meinem Politikverständnis noch meinem Charakter. Ich würde es begrüssen, wenn der Ausserrhoder SVP-Kandidat die Wiederwahl in den Nationalrat schaffte. Denn wir könnten sicherlich in vielen Bereichen gut zusammenarbeiten im Interesse beider Halbkantone.

Welches war Ihr Einstieg in die Politik?

Was glauben Sie im Nationalrat bewegen zu können?

Welche Interessen wollen Sie vertreten?

Ihre Erwartungen (Befürchtungen) an den Wahlkampf?

Welches sind Ihre Schwächen?

Stichwort Politikverdrossenheit

Stichwort Spassgesellschaft

Stichwort Appenzell Innerrhoden bzw. Ausserrhoden

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