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Einstimmige Ja-Parole für Baugesetz-Revision
Die Delegiertenversammlung der Ausserrhoder
SVP befasste sich mit einer kantonalen Vorlage, der Proporz-Initiative und
dem Steuerpaket
ausserrhoden. Obwohl die Vorlage zur Revision
des Ausserrhoder Baugesetzes einige Fragen und Diskussionen auslöste,
beschlossen die 71 Stimmberechtigten einstimmig die Ja-Parole. Kantonsrat
Ivo Müller referierte zur Proporz-Initiative
und Regierungsrat Köbi Frei zum Steuerpaket.
Monika Egli
Sie haben in letzter Zeit häufig die verbalen
Klingen gekreuzt: der SVP-Nationalrat Jakob Freund und der SP-Kantonsrat
Ivo Müller, die beide (zusammen mit Marianne
Kleiner) den Sitz in der Grossen Kammer anstreben. Am Dienstag im Casino
in Herisau allerdings herrschte eitel Eintracht.
SP-Gast bei der SVP
Ivo Müller
referierte als geladener Gast zur geplanten Proporzinitiative, welche noch
in diesem Jahr eingereicht werden soll. Sie wird nebst der kantonalen SVP
und SP auch von der EVP und dem Gewerkschaftsbund unterstützt. Der SP-Mann
schien sich in den Reihen der SVP wohl zu fühlen: Nicht nur blieb er
anschliessend bis zum späten Schluss der Veranstaltung, er begrüsste sogar
mit der Blocher-gewohnten Anrede: «Liebe Fraue ond Manne.»
«Nur Proporz ist fair»
Die Vorgeschichte ist bekannt: Nachdem die
SVP AR festgestellt hatte, dass ihre eigene Proporz- Initiative kaum die
nötige Untersützung finden würde, zog sie diese im Interesse der Sache,
wie es Kantonalpräsident Jakob Freund darlegte, zurück, um eine mit der SP
zusammen überarbeitete Fassung vorzulegen. In den nächsten Tagen, so Ivo Müller, er-warte man den Initiativetext nach dem
Vorprüfungsprozedere von der Kantonskanzlei zurück und werde dann sofort
mit dem Unterschriftensammeln beginnen. Ziel sei es, die
Proporz-Initiative bis ca. Mitte Dezember einzureichen. Das Modell, das
nun vorliegt, scheint zwar etwas kompliziert zu sein, soll den
Ausserrhoder Bedürfnissen und Eigenarten aber Rechnung tragen. Anschaulich
zeigte Ivo Müller auf, dass, sollte der
Initiative zugestimmt werden, künftig ein Kantonsratsmitglied pro Gemeinde
weiterhin im Mehrheitsverfahren (Majorz) gewählt werden könnte. Die
restlichen 45 von 65 Sitzen aus vier Wahlkreisen würden dann im
Verhältniswahlverfahren (Proporz) bestimmt. SVP und SP sind sich einig,
dass nur das Proporzverfahren fair sei und garantiere, dass alle im Volk
vorhandenen politischen Strömungen im gleichen Verhältnis im Kantonsrat
vertreten seien. Das Proporzsystem sei die Basis der Konkordanz
schlechthin. Damit die verhältnismässig hohe Anzahl von Parteilosen nicht
zu kurz komme, habe man das Majorzverfahren für einen Sitz pro Gemeinde
eingebaut, wurde eine entsprechende Frage beantwortet. Im Weiteren
erachtet man es aber auch je länger je nötiger, dass sich Kantonsräte
einer Partei anschliessen, um «Farbe zu bekennen», wie mehr als einmal
erwähnt wurde.
«Chance für den Kanton»
Köbi Frei, SVP-Finanzdirektor, referierte zum
Steuerpaket. Am Vortag hatte er in neuer Funktion an seiner ersten
Kantonsratssitzung bereits überzeugt, wurde die Ergreifung des
Kantonsreferendums auf seinen Antrag hin doch mit klarem Mehr abgelehnt.
Er konnte denn auch seine Freude darüber nicht ganz verhehlen und legte
seine Argumente dazu mit viel Engagement vor. «Das Steuerpaket ist eine
Chance für Ausserrhoden», betonte er - niemand widersprach ihm.
Baugesetz überzeugte
Regierungsrat Jakob Brunnschweiler oblag es,
den Delegierten der SVP AR die Revision des Baugesetzes, über welche am
19. Oktober abgestimmt wird, zu erläutern. Sie ist beträchtlich, weshalb
allgemein nur vom «Baugesetz» gesprochen wird. Der Kantonsrat hatte es am
12. Mai in zweiter Lesung mit 63 Ja bei 2 Enthaltungen deutlich
gutgeheissen, beschloss aber mit 26 Stimmen knapp das Behördenreferendum
und damit eine Volksabstimmung. Der Baudirektor warb am Dienstag mit einem
Überblick über die wichtigsten Änderungen und vor allem mit dem Hinweis,
die Revision schaffe gute Rahmenbedingungen und bringe zahlreiche
Erleichterungen. Einzigartig dürfte sein, dass nun auch Fristen für die
Behörden aufgenommen werden. Dass neue Einwohner, denen man Bauland
anbieten kann, Not tun, darin waren sich alle einig: Ausserrhoden war 2002
der einzige Kanton der Schweiz, dessen Einwohnerzahlen abnahmen. Da ein
Baugesetz auch viele Einzelinteressen tangiert, musste Jakob
Brunnschweiler zu diversen Punkten Red und Antwort stehen - wohl nicht
immer zur Freude der Fragenden, denn das Bundesgesetz lässt nur begrenzten
Spielraum offen. Letztlich wurde die Ja-Parole zur Revision des
Baugesetzes jedoch einstimmig beschlossen. (eg)
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