Appenzeller Zeitung
Regionen | Donnerstag, 25. September 2003

Leserbriefe

Leserbriefe zu den Nationalratswahlen

Weibliche Sicht- weise für Nationalrat

Weite Teile der Ausserrhoder Bevölkerung erinnern sich an die Tatsache, dass sich im Frühjahr 2003 ausschliesslich Männer um die frei werdenden Regierungsratssitze beworben haben. Der schwindende Einfluss der Frauen auf die kantonale Politik musste damals mangels einer Kandidatin stillschweigend hingenommen werden, immerhin verbunden mit dem Gedanken, dass dieser Tendenz bei nächster Gelegenheit Einhalt zu gebieten sei.

Nun ist diese Gelegenheit auf nationaler Ebene gekommen: Stimmbürgerinnen und Stimmbürger, die sich nicht nur Gedanken machen über die politische Positionierung der Kandidaten etwas mehr links oder rechts durch die sie sich in Bern vertreten lassen wollen sondern denen auch die weibliche Sichtweise wichtig ist, wählen Marianne Kleiner in den Nationalrat. Zugegeben, das Geschlecht alleine kann nicht massgebend sein, doch Marianne Kleiner hat mit ihrer Arbeit als Finanzdirektorin und als erste Frau Landammann überzeugt. Ihre Arbeit für den Kanton Appenzell A.Rh. hat ihr auch auf nationaler Ebene zu einem Bekanntheitsgrad verholfen, der ihr erlaubt, vom ersten Tag an in Bern wesentlich Einfluss zu nehmen auf die Zukunft unseres Landes, von welcher auch der Kanton Appenzell A.Rh. nicht unbeeinflusst bleibt. Marianne Kleiner wird in Bern Anliegen vertreten, die einem rein männlichen Gremium aus dem Kanton Appenzell A.Rh. weitgehend verschlossen bleiben allein schon aus ihrer Erfahrung als Ehefrau, Mutter, Grossmutter und berufstätiger Frau, welche die vielfältigsten Aufgaben zu vereinen hat. Auch ihr wird die Quadratur des Kreises in Sachen Familienpolitik und in andern Bereichen der Politik nicht zur Zufriedenheit aller gelingen, doch wird sie für alle eine gute Ansprechpartnerin sein und ihre Haltung stets fundiert begründen können. Übrigens, es ist richtig, dass sowohl Marianne Kleiner als auch Hansruedi Merz in Herisau wohnen. In Bern werden die Politiker aber nicht ihres Wohnsitzes wegen wahrgenommen, sondern wegen ihrer politischen Einflussnahmemöglichkeit. Letztere wird bei Marianne Kleiner gross sein.

Aline Auer

Alleeweg, Teufen

Soll man gute Politiker abwählen?

Es gibt keinen Grund, einen der beiden bisherigen Parlamentarier abzuwählen. Beide haben in Bern in der letzten Legislaturperiode hervorragende Arbeit geleistet und verdienen eine Wiederwahl. Das Duo hat sich bewährt und repräsentiert eine gerechte Vertretung unseres Kantons. Aus diesem Grund werde ich Hans-Rudolf Merz (Herisau) wieder in den Ständerat und Jakob Freund (Bühler) wieder in den Nationalrat wählen.

David Zuberbühler

Viaduktstrasse 12, Herisau

Linke, wählt Kleiner! 

Ich finde es wirklich tragisch. Doch es ist eine Tatsache: Ausserrhoden hat künftig nur noch einen Sitz im Nationalrat. Umso wichtiger ist es, diesen Platz durch eine kompetente, erfahrene, politisch geschickt agierende Persönlichkeit zu besetzen. Das schränkt die Auswahl in Ausserrhoden für die anstehenden Wahlen bereits auf einen Namen ein. Die politisch Linke im Kanton trauert noch immer dem Herbert-Maeder-Sitz nach, der damals an die SVP und ihren Freund verloren ging. Die SP versucht seither, den Sitz zurückzuholen. Auch diesmals. Nichts gegen Ivo Müller, aber seien wir realistisch: Müller hat keine Chance. Freund dafür umso mehr. Deshalb ist für mich als links denkenden Bürger klar: Allein schon aus taktischen Gründen müssen wir Linken Marianne Kleiner die Stimme geben. Nur so können wir Jakob Freunds zweite Amtsdauer verhindern - für mich das oberste Ziel dieser Wahlen. Denn wie gesagt: Wir brauchen eine politisch klug agierende Persönlichkeit in Bern. Wir brauchen Marianne Kleiner. Sie braucht auch die Stimmen von SP und Grünen, um gewählt zu werden.

Benno Gämperle

Steinleuten Gais und Happerswil TG

Wen soll ich am 19. Oktober wählen?

Wenn ich durch unseren Kanton fahre, werde ich tagtäglich mit unseren Kandidaten bzw. unserer Kandidatin für den Ausserrhoder Sitz im Nationalrat in Form von teils überdimensionierten Plakaten konfrontiert. Ich habe mir auch gerne die Zeit genommen, diese «unsere» Kandidaten und Kandidatin an einem Podiumsgespräch zu erleben.

Seien wir doch ehrlich, das Ohr muss heute ebenso geduldig wie das Papier sein. Da wird von Beziehungen, Kompetenz und Leistungsausweisen geprahlt, Türen, die sich weit öffnen werden, wenn eine bestimmte Kandidatin in Bern gewählt. bzw. vorstellig wird ... Alles Hafenkäse. Mir ist ein stiller Schaffer, mit den - unserer Kantonsgrösse - angepassten Plakatwänden einiges lieber als die protzige, aber sympathisch wirkende Grossleinwand-Platzhalterin, die eh nur die Interessen der Hochfinanz anstelle des Mittelstandes und der KMU vertritt. Da hilft auch der Frauenbonus nicht. Mich würde auch eine offizielle Empfehlung der Frauenzentrale interessieren ... Eine Privatperson kann kaum ein Interesse haben, derart grosszügige Budgets, ich schätze 120 000 bis 150 000 Franken, für sich selbst zu investieren, oder tun dies etwa andere für sie? Darum: Des einen Feind, des andern FREUND ..., ist besser als gross, grösser, KLEINER oder etwa das Wandern ist des MÜLLERS Lust !

Christian Meng

Kurvenstrasse 17, Lustmühle

Merz - Müller; eins rächts, eins links

Inestäche, umeschlah durezieh und abelah, bald rächts, bald links und öppe emol e Müschterli. Damit denn aber de Pulli am Schluss au nach öppis usgseht, münd d Börtli eis rächts, eis links glismet si.

Genau so ist es im Appenzellerland. Bunt gemischt findet man Rechts und Links und öppe emol e Müschterli. Um diese Vielfalt in Bern zu vertreten, stehen uns nur gerade zwei Personen zur Verfügung: ein Nationalrat und ein Ständerat. Diese beiden sollen die appenzellische Vielfalt als Ganzes und Zusammengehörendes zur Geltung bringen. Wie beim Pulli braucht es dazu eine rächts, eine links. Mit Hans-Rudolf Merz im Ständerat sind die bürgerlichen und wirtschaftlichen Interessen gut vertreten. In idealer Ergänzung dazu wird Ivo Müller im Nationalrat auch die sozialen, kulturellen und ökologischen Aspekte im Auge haben und die wirtschaftlichen Fragen aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Als heller und dialogfähiger Kopf ist er in der Lage sich einzubringen und Ausserrhoden kompetent und sachlich zu vertreten. Nur durch Zusammenarbeit und mit einer Vertretung aller Interessen kommen wir als kleiner Kanton weiter und werden in Bern gehört. Deshalb eine rächts, eine links. Deshalb Ivo Müller in den Nationalrat.

Ruth Beutler

Untere Steinegg 5, Herisau

Die Jungen wählen Marianne Kleiner

Die eidgenössischen Wahlen stehen vor der Tür. Gerade als junger Bürger überlege ich mir genau, wem ich am 19. Oktober das Vertrauen schenken soll. In der kommenden Legislaturperiode gilt es nämlich wichtige Entscheidungen zu treffen, die für die zukünftigen Generationen von grosser Bedeutung sind. Ich denke dabei an die Sozialpolitik, wo aufgrund der demographischen Entwicklung die Weichen frühzeitig richtig gestellt werden müssen. Wie alle Industrienationen steht auch die Schweiz vor der grossen Herausforderung, die Sozialwerke auf eine nachhaltige und solide Basis zu stellen.

Der Wahlkampf sowie die Reaktionen auf die Vorschläge von Bundesrat Couchepin haben mir jedoch gezeigt, dass sich viele Politiker dieser Verantwortung den Jungen gegenüber nicht bewusst sind. Billige Polemik (Politische Linke, Rentenklau), Ignoranz und Kurzsichtigkeit (z.B Gold in die AHV) sind die falschen Antworten auf die Fragen von morgen. Wir brauchen Persönlichkeiten im Parlament, die die Herausforderungen der Zukunft annehmen und für liberale Lösungen kämpfen. Politiker und Politikerinnen, die auch den Mut aufbringen politische Tabus (z. B. Generationenvertrag) zu hinterfragen, damit die Belastungen für kommende Generationen nichts ins Unermessliche steigen. Mit Marianne Kleiner verfügt Ausserrhoden über eine Kandidatin, die dieses Anforderungsprofil perfekt erfüllt. Als erfolgreiche Finanzdirektorin hat Frau Kleiner den Beweis erbracht, dass eine nachhaltige Politik für sie kein reines Schlagwort ist. Sie hat sich für eine zukunftsfähige und verantwortungsbewusste Finanzpolitik eingesetzt, auch wenn sich Frau Kleiner damit vielleicht nicht überall beliebt gemacht hat. Damit die fortschrittliche und liberale Stimme Ausserrhodens in Bern auch nach Dorle Vallender weiter zu hören ist, wähle ich Marianne Kleiner in den Nationalrat. Ich hoffe vor allem, dass möglichst viele jüngere Bürgerinnen und Bürger den Weg an die Urne finden und ihre Stimme ebenfalls der freisinnigen Kandidatin geben.

Jesko Calderara

Im Stöckli 3, Heiden

Richtigstellung

Zum Leserbrief «Jakob Freund wieder in den Nationalrat», Appenzeller Zeitung vom 23 September 2003

Im Leserbrief von Emil Kern, ehemaliger Kreckelverwalter, sind unwahre Behauptungen, die so nicht im Raum stehen gelassen werden können.

1. Die Finanzen des Kantons sind kerngesund; wie sonst hätten Regierungsrat und Kantonsrat diese Woche einem Steuerpaket zustimmen können, das zu schrittweisen Steuerausfällen von geschätzten jährlichen 6,8 Mio. Franken führt? 2. Marianne Kleiner war nie Mitglied der GSoA (Abschaffung der Schweizer Armee). Sie steht voll und ganz hinter der heutigen Armee. Auch wenn man in einem Wahlkampf einiges einstecken können muss, erfordert es die Fairness doch, dass man nicht das Gegenteil der Wahrheit behauptet.

Roman Messmer

Parteipräsident FDP Appenzell A.Rh.

Hema Herisau, wie weiter?

Wie aus der Presse zu erfahren ist, gibt es bedauerlicherweise immer mehr Institutionen oder Komitees, welche bei finanziellen Engpässen einfach bei der Gemeinde anklopfen. Dem Hema-Komitee wurde durch den Einwohnerrat Herisau 30 000 Franken zugesichert. Wenn man von rund 1000 einheimischen Besuchern tagsüber ausgeht, trägt jeder davon indirekt 30 Franken Eintrittsgeld dazu bei.

Andere Gemeinden haben ihre Ausstellungen nur alle zwei bis fünf Jahre. Dadurch wird das Komitee gefordert, möglichst keine Altlasten entstehen zu lassen, und die finanzielle Lage zu optimieren. Wieso muss die Hema in Herisau alljährlich stattfinden? Der jetzige Zeltaufbau nimmt sicher einen grossen Zeitaufwand ein, welcher alljährlich wiederholt wird. Es könnte durchaus abgeklärt werden, die Hema in einem bestehenden Gebäude mit zusätzlichen Aussenständen kostengünstiger zu gestalten. Die Aussteller zahlen im jetzigen Zelt eine Summe von rund 200 000 Franken Standortgebüren. In der heutigen Zeit werden sowieso viele Informationen übers Internet eingeholt. Es ist auch für die Aussteller sicher nicht einfach, alljährlich mit neuen Attraktionen neue Kunden zu gewinnen. Auch bei der Unterhaltung während der Abende wäre noch Sparpotenzial auszuloten. Zum Beispiel gibt es sicher auch einheimische Künstler, welche mit einem Auftritt an der Hema unterstützt werden könnten, anstelle von teuren Stars wie Maja Brunner oder Monique zu engagieren. Der Platz ist im Zelt begrenzt, deshalb ist es kaum möglich mit einem Eintritt von zehn Franken die Gage dieser Stars herauszuholen. Nachträgliche Altlasten werfen viele Fragen auf. Ich persönlich habe nichts gegen die Hema einzuwenden, aber sie muss in Zukunft selbsttragend sein.

Karin Koller

Witenschwendi 3b,Herisau

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