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Regionen | Samstag, 2. August 2003

«Farbe und auch etwas Pfeffer»

Alt Bundesrätin Ruth Dreifuss und alt Nationalrat Herbert Maeder unterstützen Ivo Müllers Kandidatur für den Nationalrat

speicher. Die SP Ausserrhoden hat am Donnerstagabend den Wahlkampf für die Nationalratswahlen vom Herbst eröffnet. Als «Patin» der SP-Kandidatur von Ivo Müller war alt Bundesrätin Ruth Dreifuss zu Gast.

Mea Mc Ghee

Die SP Ausserrhoden lud zum Wahlkampfauftakt der Nationalratswahlen ins Hotel Appenzellerhof in Speicher, dem Wohnort des SP-Kandidaten Ivo Müller. Bei der Pressekonferenz und dem anschliessenden Apéro für die Öffentlichkeit sprachen alt Bundesrätin Ruth Dreifuss, alt Nationalrat Herbert Maeder, alt Regierungsrat Werner Niederer, Hansruedi Elmer, Präsident SP AR, und natürlich Ivo Müller. Der Speicherer ist Gymnasiallehrer an der Kantonsschule Trogen und seit langem in der Politik aktiv. Zuerst war er Gemeinderat von Speicher (1997 bis 2001), seit 1999 gehört er dem Ausserrhoder Kantonsrat an und nun kandidiert Ivo Müller für den Nationalrat.

SP als Hoffnungsträgerin

Die Kandidaturen von Nationalrat Hansruedi Freund (SVP), Bühler, und Marianne Kleiner (FDP), Herisau, standen bereits fest, als die SP Ausserrhoden sich anlässlich eines ausserordentlichen Parteitages entschied, einen eigenen Kandidaten ins Rennen um den einzig verbliebenen Sitz für Ausserrhoden im Nationalrat zu schicken. Die SP sei Hoffnungsträgerin für jene Menschen im Kanton, die es unerträglich finden, wenn sie nur zwischen zwei rechtsbürgerlichen Kandidaturen wählen könnten, so Hansruedi Elmer. An einem zweiten Parteitag wurde mit dem Speicherer Ivo Müller ein guter Kandidat nominiert. «Ivo Müller wird dafür sorgen, dass auch in unserem Kanton die schweizerischen Politthemen kontrovers diskutiert werden, dass Farbe und auch etwas Pfeffer in den Wahlkampf kommen», so Hansruedi Elmer.

Kanton und Schweiz vertreten

Auf die Rolle, welche Ausserrhoden in der restlichen Schweiz spiele, kam Ruth Dreifuss zu sprechen. Sie unterstützt die Kandidatur von Ivo Müller und war am Donnerstag als «Wahlkampf-Patin» zu Gast. «Ich denke, Ivo Müller könnte als Nationalrat dazu beitragen, das Bild, welches die übrige Schweiz von Appenzell Ausserrhoden hat, etwas farbiger zu gestalten», sagte die ehemalige SP-Bundesrätin. Es sei wichtig, dass gerade kleine Kantone in Bern durch starke Persönlichkeiten vertreten seien, «Persönlichkeiten, welche die Interessen ihres Kantons vertreten, die aber auch bereit sind, die Augen auf die ganze Schweiz zu richten.» Wichtig sei aber zudem, dass Lösungen vorangetrieben würden und «es braucht Zusammenarbeit. Denn alleine hat noch keiner eine Lösung nach Bern gebracht», sagte Ruth Dreifuss und wünschte Ivo Müller einen erfolgreichen Wahlkampf.

Überzeugter Parlamentarier

Herbert Maeder vom überparteilichen Wahlkomitee «Ivo Müller in den Nationalrat» gab zu bedenken, dass Ausserroden womöglich ausschliesslich durch Politiker, die rechts der Mitte einzuordnen sind, in Bern vertreten sein könnte. Herbert Maeder, der als Parteiloser jahrelang dem Nationalrat angehörte, ist deshalb sehr glücklich, mit Ivo Müller über einen Kandidaten des links-grünen Flügels zu verfügen. Auch Werner Niederer sagte: «Es ist von eminenter Bedeutung, dass eine Wahl ausserhalb des bügerlichen Lagers, das heisst eine Wahl, durch die sich der heute nicht mehr vertreten fühlende Teil unseres Kantons einbringen kann, möglich ist.» Ivo Müller sei ein überzeugter Parlamentarier. Namentlich als Präsident der parlamentarischen Kommission bei der Proporzinitiative sei es Müller mit viel Umsicht gelungen, die keineswegs sozialdemokratisch zusammengesetzte Kommission so weit zu bringen, dass sie der Initiative einen Gegenvorschlag gegenübergestellt hat.

Sicherung der AHV

Ivo Müller selber sieht sich als Kandidat der Mitte. Es brauche günstige Rahmenbedingungen für die Wirtschaft. Dazu Müller: «Ich setze mich für unbürokratische Lösungen für unsere Appenzeller Wirtschaft ein, für die kleineren und mittleren Unternehmen, die Bauernfamilien, die kleinen Gewerbebetriebe.» Ein grosses Anliegen ist Ivo Müller die Sozialpolitik, wobei er sich vor allem für die Sicherung der AHV stark machen möchte. «Ich setze mich für eine echte Flexibilisierung des Rentenalters ein.» Eine allgemeine Erhöhung des Rentenalters sei keine Lösung, so Müller. Obwohl man sparen müsse, seien Investitionen in der gegenwärtigen Situation nötig. Um die Kosten im Gesundheitswesen in den Griff zu bekommen, brauche es Selbstverantwortung, wie sie viele Appenzeller leben. Selbstverantwortung könne aber nur übernehmen, wer dies gelernt habe, sagte Ivo Müller. Damit war er bei der Bildungspolitik angelangt. Der Gymnasiallehrer strebt eine Bildungspolitik an, welche die Chancengleichheit ernst nimmt.

Öffentlicher Apéro

Im Anschluss an die Pressekonferenz lud das Wahlkomitee der SP Speicher mit Ivo Müller, Maya Keller und Judith Egger zum Apéro. Die Speicherer Bevölkerung, Parteifreunde Müllers, Mitglieder des überparteilichen Wahlkomitees und Behördevertreter nutzten am Apéro die Gelegenheit, um mit der sichtlich gut gelaunten alt Bundesrätin Ruth Dreifuss zu plaudern.

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